Wenn die Schulzeit endet …

Für vier Sportlerinnen und Sportler aus dem Verein ging am 12. Februar die lange Ära eines Lebens für den Leistungssport zu Ende. Sie werden im Sommer das Sportgymnasium bzw. die Sportoberschule verlassen und die schnellen Kufen an den berühmten Nagel hängen. Einige von ihnen standen mehr als 10 Jahre für den ECC auf dem Eis. Im Prüfungswettkampf im Fach Profilsport kämpften sie ein letztes Mal um eine gute Zeit und eine gute Note.

Gianina Künstler und Marius Platzer werden die Sportoberschule verlassen, Henrike Michalke und Bastian Vogelsang das Sportgymnasium. Sie werden sich mit einer ganz bestimmt erfolgreichen Ausbildung neuen Herausforderungen des Lebens stellen. Ebenso dabei beim Wettkampf war auch Lucy Mehnert, die aber nach dem Oberschulabschluss aufs Gymnasium wechseln und dem Verein erhalten bleiben wird.

Viele Jahre fand der Schulprüfungswettkampf im Rahmen eines Vereinswettkampfs des ECC statt, unter ganz normalen Wettkampfbedingungen und der Anfeuerung der Vereinskameraden. Die Vereinswettkämpfe am Mittwoch, seit vielen Jahren Tradition, gibt es nicht mehr. Leider spielte auch das Wetter an diesem Dienstag Vormittag nicht mit. Es schneite und die Bahn war in einem beklagenswerten Zustand.

Als Prüfer waren Herr Kulakow von der Oberschule und Frau Merkel vom Gymnasium anwesend. Der Eissport wurde von Frau Kaaden repräsentiert. Und Trainer Harald Harnisch ließ es sich trotz der widrigen Umstände nicht nehmen, seine Sportler zu coachen. Ein paar Eltern und Großeltern waren als stille Zuschauer da.

Jeder hatte 2 Läufe zu absolvieren. Zuerst gingen alle über 500m an den Start. Nach kurzer Erholung ging es dann zum zweiten Lauf über 1500m. Nur Bastian hatte sich noch ein letztes Mal seine langjährige Lieblingsstrecke, die 3000m ausgewählt und sich über die Bahn gequält. Die Zeiten blieben im Dunkel, doch haben wohl alle die Prüfung bestanden. Am Ende hätte man ihnen wenigstens etwas Sonne zu ihrem letzten Auftritt gewünscht.

Gianina begann ihre Laufbahn mit 8 Jahren. Bei den ersten EGL-Läufen 2010 machte sie auf sich aufmerksam. 2014 kamen erste Erfolge mit ersten und zweiten Plätzen, etwa beim Elbe-Pokal und den Sächsischen Meisterschaften. Auch der zweite Platz bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften 2017 war ein großartiger Erfolg. Besonders im Team war sie eine Bank, mehrfach holte sie mit ihren Vereinskameradinnen im Teamsprint die Silbermedaille, zuletzt bei den Deutschen Meisterschaften im Februar. Laut speedskatingnews.info nahm Gianina an 178 Rennen teil und stand 82 mal auf dem Podest, davon 21mal als Siegerin. Eine schöne Bilanz.

Marius absolvierte 128 Wettkampfstarts, davon konnte er 35 als Sieger, 12 als zweiter und 8 als dritter beenden. 2012 startete er erstmals bei den Einschulungswettkämpfen und wurde für die Sportoberschule ausgewählt. 2014 kam der Durchbruch mit Siegen bei den Landesjugendspielen und der Sächsischen Sprintmeisterschaft. Auch 2015 bis 2017 dominierte er die Sächsischen Meisterschaften. Doch nach ganz vorn zur deutschen Spitze fehlte immer ein Stück.

Henrike begann ihre Eisschnelllaufkarriere erst 2014, nachdem sie sich bereits 10 Jahre dem Eiskunstlauf gewidmet hatte. Gleich ihr erster Wettkampf in Erfurt endete mit einem Sieg über 500m. Viele Mehrkämpfe beendete sie auf einem guten vierten Platz, Tendenz nach oben. Einen sehr schönen Erfolg gab es noch einmal im Januar, als sie bei der Langstrecken-DM in Inzell mit Silber über 3000m und den Vierkampf im Deutschen Juniorencup 2019 in Berlin mit der Bronzemedaille beendete. 88 Starts für den ECC stehen in ihrer Statistik. Sie wird dem Sport im Lehramt treu bleiben.

Bastian absolvierte seinen ersten Wettkampf für den ECC bereits 2008, nachdem er sich vorher ebenfalls 3 Jahre im Eiskunstlauf erprobt hatte. Den allerersten Lauf seiner Karriere beendete er mit einem Sturz. Doch schon kurz danach bei der Sächsischen Meisterschaft gewann er Silber. Es folgten Siege bei Landesjugendspielen und im DESG-Pokal. Den Höhepunkt seiner Karriere erlebte er bereits 2012, als er den internationalen Fossil-Cup (jetzt skatespecial) in Inzell gewinnen konnte. Doch danach kamen die Jahre der Verletzungen und Erkrankungen, große Erfolge wurden die Ausnahme. Insgesamt absolvierte er 164 Wettkämpfe und erreichte 80 Podiumsplatzierungen, davon 46 Siege. Sein letzter großer Auftritt war im Dezember die Deutsche Langstreckenmeisterschaft in Inzell, die er mit Platz 4 über 5000m beendete.

Nun heißt es abtrainieren, um keine Gesundheitsschäden davon zu tragen. Denn die vielen Jahre hartes Training sind wohl an niemandem spurlos vorbeigegangen. Wer sich dem Eisschnelllauf verschreibt, braucht vor allem eins: eine robuste Gesundheit und viel Durchhaltevermögen. Leider gibt es in Deutschland nur noch wenige, die das auf sich nehmen wollen. Deshalb darf man den hier genannten Sportlerinnen und Sportlern zu ihrer großartigen Leistung, zu ihrer Vorbildwirkung für die Jüngeren, herzlich gratulieren. Lucy wünschen wir natürlich, dass sie noch einige schöne Erfolge mit ihrer Trainingsgruppe feiern kann, und Marius, Bastian, Henrike und Gianina wünschen wir viel Glück und Erfolg für den nächsten Lebensabschnitt.

Text und Fotos: Jochen Bonitz